English

Projektgeschichte

CrossingOver ist die Geschichte einer Idee.  Sie trat  erstmals an Pfingsten 2004 durch die gemeinsame "Berliner Konferenz" von katholischen Deutschen und US-Amerikanern an die Öffentlichkeit. Noch bevor der Name gefunden war, kamen in Berlin Katholiken aus beiden Ländern zusammen, um einen Lernprozess in Gang zu setzen, von dem der Sponsor überzeugt war, dass er sich zum Vorteil insbesondere der deutschen Kirche auswirken müsste, die um diese Zeit  immer deutlicher in eine tiefe Krise hineinsteuerte. Zugleich kam dieses Treffen auch auf einem historischen Tiefpunkt der allgemeinen deutsch-amerikanischen Beziehungen zustande. Innerkirchlich und theologisch war der gegenseitige Kenntnisstand gleich null; die schiere Existenz von Katholiken in den USA war weithin unbekannt. Sehr hilfreich waren bei den ersten Schritten namhafte Vertreter einer  Generation, die sich zur Zeit des Konzils kennen gelernt hatte (Prof. Pottmeyer, O'Donovan).

CrossingOver wurde in der Folgezeit nicht als ein herkömmliches akademisches top-down Forschungsprojekt in Gang gesetzt, sondern verfolgte das völlig neuartige Konzept, durch eine universitäre Einrichtung mit einem kleinen Stab von (auch in anderen Bezügen arbeitendem) akademischen Personal einen bottom-up Lernprozess in Gang zu setzen, der zunächst -so die Vorgabe - von einzelnen Personen, den "Praktikanten"  getragen werden sollte, aber zugleich eine akademische Begleitung erfuhr. Anfängliche administrative Probleme mit der neuartigen Struktur wurden gelöst, wobei sich die Verwaltung der Ruhr-Universität Bochum im Allgemeinen sehr hilfsbereit zeigte. Formalisierte Strukturen (wie z.B. eine zunächst sondierte offizielle Kooperation mit der Bischofskonferenz) wurden möglichst vermieden, bevorzugt wurden unter der "Schirmherrschaft" des Bischofs von Essen meist informelle Absprachen mit einzelnen Bistümern, um sich deren sehr unterschiedlichen Strukturen anpassen zu können. Darüber hinaus gab es keinen "Masterplan", sondern es wurden Schritt für Schritt auf Grund der gemachten Erfahrungen und Nachfragen die nächsten Arbeitsschritte bestimmt.

Am Beginn von CrossingOver stand eine längere Explorationsphase, die sich um fundamentale Kenntnisse der "terra incognita" des US-Katholizismus bemühte und vor allem damit befasst war, kongeniale Kooperationspartner zu finden. Fehlschläge blieben dabei nicht aus. Als solche Partner schließlich gefunden waren, begann nach einem "Probelauf" (St. Patricks) das eigentliche Besuchsprogramm. Die weit verbreitete, beträchtliche Skepsis mancher Kirchenleitungen (z.B. im Bistum Münster), bei deren Überwindung zunächst auch der Respekt vor dem Sponsor mitgewirkt haben mag, wich nach der Rückkehr der  ersten Teilnehmer einer immer freundlicheren Beurteilung besonders durch die jüngere Führungsebene der Diözesen (Sowohl in Essen als auch in Münster wurden die ersten Teilnehmer entweder zum Gespräch mit dem Bischof bzw den Bischöfen geladen). Von nun  an entwickelte CrossingOver eine erstaunliche, zunächst nicht zu erwartende Eigendynamik, die vor allem darauf beruhte, dass die Teilnehmer in der Folge in ihrem Umfeld selbst ihre Eindrücke mit einer Art "Mund-zu-Mund-Propaganda" verbreiteten, sodann aber dann auf verstärkter Öffentlichkeitsarbeit. Hier sind vor allem die Broschüren mit den Erfahrungsberichten zu benennen, die weite Verbreitung  fanden, und zu Anfragen aus ganz Deutschland führten. Allerdings musste aufgrund der Ressourcen der "Zentrale" (Umfang der Entsendungen, Begleitung durch Teilzeitkräfte und "Volunteers") schon 2008 entschieden werden, das Projekt auf 6 Diözesen zu begrenzen. Vorteilhaft für die Resonanz war sicher auch, dass sich das USA-Bild in Deutschland seit der Amtsübernahme Obamas sehr aufgehellt hat und die USA nun vielfach wieder in Vorbildfunktion erkannt werden können. Der Besuch des Kardinal-Erzbischofs von Chicago im Jahre 2009 markierte die endgültige "offizielle" Anerkennung von CrossingOver als ein wichtiges Programm zur kirchlichen Erneuerung, und zwar sowohl in Deutschland, als auch in den USA.

Schon bald wurde aber, wohl auch wegen der positiven Resonanz, in fast allen beteiligten Diözesen von verschiedenen Seiten, gerade auch von deren Leitungen, ausdrücklich eine systematische Begleitung der neuen Erfahrungen und Ideen eingefordert. Dieser Nachfrage konnte aber mit der bisherigen Arbeitsgruppe der "Zentrale" nicht mehr entsprochen werden. Seit 2009 wurde sie deshalb mit Matthias Sellmann und "Lighthouse" erweitert, womit CrossingOver noch einmal einen erheblichen Wachstumsschub an Aktivitäten erlebte, insbesondere die Verstetigung der Kontakte mit nunmehr 6 Diözesen, in denen "Leuchtturmprojekte" vorbereitet werden. Zeitgleich erscheinen die ersten akademischen Publikationen (Henkelmann 2009, Neyer 2010, Reinhold 2011, Reinhold/Sellmann 2011, Sellmann 2011).

Innerhalb von sechs Jahren nach der Pfingst-Konferenz von Berlin 2004 ist also ein  noch immer weiter wachsendes Crossing-Over Netzwerk von Personen und Aktivitäten entstanden, die nach dem Schneeballssystem wirken und so vielfältig sind, dass sie zum Teil in ihren Verästelungen von Forschung und pastoralen Projekten nur noch schwer überschaubar sind. Ein großer internationaler Kongress 2011 in Bochum mit weit über 100 Teilnehmern zeigt, wie innerhalb von sieben Jahren, seit der ersten Konferenz an Pfingsten 2004, das Projekt stetig an Interesse gewinnt und sich zu einem großen Netzwerk entwickelt. Die große internationale Konferenz im Jahr 2015 zeigt, dass dieses Netzwerk weiter auf Wachstumskurs ist.

Mehr zur Projektgeschichte: Wilhelm Damberg / Matthias Sellmann: CrossingOver – Transatlantische Lernprozesse mit überraschenden Perspektiven, in: Lebendige Seelsorge 62 (2011), S. 175-180.

Crossingover. Kirche der USA erfahren, Kirche hier neu denken.

Ein Projekt zur Frderung des Dialogs ber katholische Kirche und Gemeindeleben in den USA und Deutschland